Alleinerziehende in Münster

Online-Orientierungshilfe und Wegweiser

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Wenn das Einkommen nicht reicht...

Wenn Sie kein oder nur ein geringes Familieneinkommen haben, kein Vermögen über die Freigrenzen hinaus vorhanden ist und erwerbsfähig sind, haben Sie Anspruch auf Arbeitslosengeld II.

"Erwerbsfähig" sind alle im Alter zwischen 15 und 64 Jahren, die nicht wegen Krankheit oder Behinderung auf absehbare Zeit außerstande sind, mindestens 3 Std. täglich dem allgemeinen Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen. Auch Mütter oder Väter, die Kinder unter 3 Jahren betreuen, gelten als erwerbsfähig und können daher ALG II beziehen; ihnen ist eine Arbeit jedoch nicht zuzumuten. Ebenso können auch allein erziehende Studierende, die wegen Kinderbetreuung beurlaubt sind, ALG II beziehen. Wenn sie selbst z.B. wegen Studium kein ALG II erhalten, können Kinder und andere Angehörige ihrer Bedarfs-/Haushaltsgemeinschaft Sozialgeld/ALGII beziehen. Für sich selbst können Studierende den Mehrbedarf für Schwangere und Alleinerziehende beziehen. Kinder bis Vollendung des 25. Lebensjahres, die noch im Haushalt der Eltern leben, müssen einen eigenen Antrag auf ALG II stellen.

Junge Erwachsene von 18-25 Jahren, die bei den Eltern leben, werden zur Bedarfsgemeinschaft gezählt und erhalten 327,- € als Regelleistung.

ALG II und Sozialgeld beinhalten:

1. Regelleistungen 2017

  • Alleinstehende / Alleinerziehende 409,- €; Partner 368,- €
  • Kinder 0-5 Jahre 237,- €
  • Kinder 6-13 Jahre 291,-€
  • Kinder 14-17 Jahre 311,- €
  • 18 bis unter 25 Jahre im Haushalt 327,-€

In allen Regelsätzen sind Pauschalen enthalten, die angespart werden sollen. Einmalige Beihilfen für Bekleidung, Schuhe, Haushaltsgeräte, Möbel, Renovierung und Reparaturen gibt es nicht mehr (Ausnahme Erstbeschaffungen).

2. Mehrbedarfe (nicht abschließende Aufzählung)

  • Werdende Mütter ab Beginn der 13. Schwangerschaftswoche: 17 % der maßgeblichen Regelleistung
  • Alleinerziehende mit einem Kind unter 7 Jahren oder 2-3 Kindern unter 16 Jahren:    36 % der maßgeblichen Regelleistung
  • Alleinerziehende mit einem Kind über 7 Jahren: 12 % der maßgeblichen Regelleistung
  • Alleinerziehende mit 4 Kindern unter 18 Jahren: 48 % der maßgeblichen Regelleistung
  • Alleinerziehende mit 5 oder mehr Kindern unter 18 Jahren: 60 % der maßgeblichen Regelleistung
  • Warmwasser
  • Besondere unabweisbare Bedarfe wie z.B. Kosten des Umgangsrechts

3. Krankenversicherung: Bei Arbeitslosengeld II-Bezug werden die Kosten für die Pflichtversicherung in einer gesetzlichen Krankenkasse übernommen, sofern Sie nicht (mehr) im Rahmen einer Familienversicherung mit versichert sind.

4. Unterkunftskosten in angemessener Höhe (Stand 01/17, Werte gelten seit 08/15)

Unterkunftskosten werden im Rahmen der jeweils vom kommunalen Träger festgelegten Mietobergrenzen übernommen. Die Mietobergrenzen setzen sich aus den Nettokaltmieten und den Betriebskosten (Bk) zusammen. Sie orientieren sich an der Anzahl der im Haushalt lebenden Personen.

Beispiel:

1 Person     (50qm)                Kaltmiete/Bk.: 453 €
2 Personen (65qm)                Kaltmiete/Bk.: 557,70 €
3 Personen (80qm)                Kaltmiete/Bk.: 661,60 €
4 Personen (95qm)                Kaltmiete/Bk.: 793,25 €

Heizkosten/Warmwasser werden zusätzlich gewährt. Auch bei Wohneigentum können Kosten für die Unterkunft beantragt werden.                      

Ein BSG- Urteil weist darauf hin, dass Größe und Zuschnitt einer Wohnung einen gewissen Rückzugsraum für das Schulkind wie für den erwachsenen Elternteil ermöglichen sollen. Individuelle Lebensumstände können einen Bedarf an mehr Wohnraum erfordern.

Bevor Sie einen neuen Mietvertrag unterschreiben, muss der kommunale Träger dem Umzug ausdrücklich zustimmen. Junge Erwachsene bis 25 Jahre, die mit ihren Eltern zusammen leben, dürfen nur mit Zustimmung des Leistungsträgers ausziehen.

5. Zusätzliche Bedarfe

Diese können Sie zusätzlich zu Regelleistungen beantragen für:

  • Erstausstattung der Wohnung (bei nachweislichem Bedarf)
  • Schwangerschaftsbekleidung und Erstausstattungen für Neugeborene
  • mehrtägige Klassenfahrten im Rahmen der schulrechtlichen Bestimmungen
  • Anschaffung und Reparatur von orthopädischen Schuhen u.a.

6. Zusätzliche Leistungen für die Schule

Der Eigenanteil für Schulbücher wird auch in 2017 übernommen für BezieherInnen von Sozialhilfe, Grundsicherung, ALG II und Jugendhilfe sowie für AsylbewerberInnen und Inhaber eines Münster- Passes, nach Vorlage der Leistungsbescheide beim Schulamt Münster.

Zwischen Leistungen für die Schule durch das SGB II und Schulbüchern vom Schulamt finden keine Verrechnungen statt.

Weitere Infos: www.muenster.de/stadt/schulamt

7. Bildung und Teilhabe (BuT)

Bedarfe für Bildung und Teilhabe werden für Kinder und Jugendliche gewährt, wenn sie eine allgemein- oder berufsbildende Schule besuchen und kein Ausbildungsentgelt erhalten:

  • Schulausflüge (auch für Kinder in Tageseinrichtungen)
  • Mehrtägige Klassenfahrten
  • Persönlicher Schulbedarf
  • Schülerbeförderung im Einzelfall
  •  Lernförderung
  • Mittagessen in Schule und Tageseinrichtungen
  • Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben (bis 10,- € pro Monat)

 

Beantragung der Leistungen:

  • SGB II- BezieherInnen im Jobcenter
  • SGB XII- BezieherInnen im Sozialamt
  • Bezieher von Wohngeld und Kinderzuschlag im Sozialamt
  • GeringverdienerInnen ohne Sozialleistungen im Jobcenter

 

Antragstellung ALG II und Sozialgeld

In Münster ist das Jobcenter für alle Fragen zum ALG II zuständig. Mit Fragen und Anträgen sowohl zur Leistungsgewährung als auch Erwerbstätigkeit und Eingliederung müssen Sie sich an die Abteilung des Jobcenters im Stadthaus II bzw. an die Bezirksverwaltungen wenden.

Wenn Sie ALG II beantragen, müssen Sie mit Ihrem/r Arbeitsvermittler/in eine Eingliederungsvereinbarung abschließen. In dieser Vereinbarung wird festgelegt, welche Unterstützung zur Eingliederung in Arbeit Sie erhalten sollen, zu welchen Bemühungen um Arbeit Sie sich selbst verpflichten und welche Leistungen Sie und Ihre Angehörigen erhalten. Wenn Sie den entsprechenden Verpflichtungen nicht nachkommen, kann das ALG II gekürzt werden.

Anrechnung von Einkommen bei Bezug von ALG II und Sozialgeld

Kindergeld (bei minderjährigen Kindern) und Unterhalt bzw. Unterhaltsvorschuss gelten als Einkommen der Kinder und werden auf das ALG II / Sozialgeld angerechnet. Einkünfte bei Erwerbstätigkeit werden ebenfalls auf das ALG II angerechnet, allerdings wird erwerbstätigen ALG II-Beziehenden ein (von der Höhe des Erwerbseinkommens abhängiger) Freibetrag zuerkannt, der vom Arbeitseinkommen abgezogen wird.
Nicht angerechnet werden Teile des Elterngeldes aus einer Erwerbstätigkeit (bis 300,-€/150,-€) und Gelder aus der Stiftung "Mutter und Kind" bzw. dem städtischen Sonderfonds. Inwieweit Einkünfte als Tagesmutter anrechnungsfrei bleiben, sollten Sie gegebenenfalls mit dem Amt für Kinder, Jugendliche und Familien klären. Der Besitz eines angemessenen Kraftfahrzeuges, ein selbst genutztes eigenes Haus bzw. eine Eigentumswohnung von angemessener Größe und ein in seiner Höhe altersabhängiger Vermögensgrundfreibetrag schließen den Leistungsbezug nicht aus.

Sozialhilfe / Hilfe zum Lebensunterhalt

Wer unter 65 Jahre alt ist, aber z.B. wegen einer Erkrankung nicht mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig sein kann, gleichzeitig aber nicht dauerhaft voll erwerbsgemindert ist, hat einen Anspruch auf Sozialhilfe / Hilfe zum Lebensunterhalt. Diese Leistung ist nachrangig, wird also nur gewährt, wenn andere Sozialleistungen zur Deckung des Bedarfes nicht ausreichen. Zuständig für die Hilfegewährung ist das Sozialamt.

Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung

Leistungen der Grundsicherung kann erhalten, wer das 65. Lebensjahr vollendet hat oder das 18. Lebensjahr vollendet hat und aus medizinischen Gründen dauerhaft voll erwerbsgemindert ist, wenn es unwahrscheinlich ist, dass die volle Erwerbsminderung behoben werden kann. Zuständig für die Hilfegewährung ist die örtliche Grundsicherungsstelle (im Sozialamt – Hafenstraße 8).

Adressen

Bei Fragen zu allen hier genannten Themen können Sie sich an die unten stehenden Adressen wenden. Weitere Informationen erhalten Sie im Sozialbüro im cuba und cuba - Arbeitslosenberatung.

Agentur für Arbeit Münster 
Martin-Luther-King-Weg 22 
48155 Münster 
Tel: 0 18 01 / 55 51 11 (Zentrale)

Arbeitsgemeinschaft Münster 
Stadthaus II 
Ludgeriplatz 4 
48151 Münster 
 bzw. Bezirksverwaltungen in den Stadtteilen 
Tel: 02 51 / 6 09 18 - 8 00 
Sozialamt der Stadt Münster 
Hafenstraße 8 
48153 Münster 
Tel: 02 51 / 4 92 - 50 01